Abendmusiken in St. Josef - Passionskonzert
Programm:
J.D. Zelenka - Responsoria pro hebdomada sancta ZWV 55$
F. Durante - Konzert für Streicher und Basso continuo f-moll Nr 1
„Endlich habe ich die Freude, Euch die Responsorien des seligen Herrn Zelenka darzubringen […] auf dass Euch die Wonne zuteil werde, die süßen Früchte dieses Mandelbaums zu kosten.“
(J. G. Pisendel an G. P. Telemann, 1749)
Diese Worte des Dresdner Konzertmeisters Johann Georg Pisendel fassen die Einzigartigkeit der Musik von Jan Dismas Zelenka (1679–1745) wunderbar zusammen – des böhmischen Komponisten, der am Dresdner Hof wirkte und dessen Werke bis heute durch Ausdruckskraft und kompositorische Meisterschaft begeistern. In diesem Konzert erklingen Fragmente des monumentalen Zyklus „Responsoria pro Hebdomada Sancta“ (ZWV 55) – eine musikalische Meditation über das Leiden und Sterben Christi.
Die Responsorien Zelenkas sind in einem Stil gehalten, der an die alte polyphone Tradition erinnert, und verbinden liturgische Strenge mit intensiver emotionaler Ausdruckskraft. Jedes Responsorium ist ein konzentrierter dramatischer Moment – ein Dialog zwischen Schmerz und Hoffnung, Einsamkeit und Glauben.
Gründonnerstag
Der Zyklus beginnt mit den Responsorien:
„In monte Oliveti“ – eindringliche Szene des Gebets am Ölberg („Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“)
„Tristis est anima mea“ – spannungsgeladener Ruf: „Meine Seele ist betrübt bis zum Tod“
„Una hora“ – dramatische Frage Christi an die Jünger: „Konntet ihr nicht eine Stunde mit mir wachen?“
Die Musik betont den Gegensatz zwischen menschlicher Schwäche und göttlicher Opferbereitschaft.
Karfreitag
In den Responsorien:
„Omnes amici mei“ – „Alle meine Freunde haben mich verlassen“
„Velum templi scissum est“ – das Zerreißen des Tempelvorhangs und Erdbeben
„Caligaverunt oculi mei“ – Klagelied: „Dunkel sind meine Augen vom Weinen“
Zelenka zeichnet ein eindringliches Bild von Verlassenheit, Verrat und dem Erschütterungsgeschehen am Kreuz. Dichte Polyphonie und mutige Harmonien steigern die Dramatik des Textes.
Karsamstag
Der letzte Teil führt zur Stille des Grabes Christi:
„Jerusalem, surge“ – Aufruf zu Trauer und Buße
„O vos omnes“ – bewegendes „O ihr alle, die ihr des Weges zieht, schaut her und sehet, ob Schmerz sei wie meiner“
„Aestimatus sum“ – „Ich bin gezählt unter die Niedrigen, wie ein Hilfloser zu den Toten gegeben“
„Sepulto Domino“ – Bild des versiegelten Grabes und der wachen Wachen am Eingang
Dies ist Musik der Ruhe, der tiefen Kontemplation und des Wartens.
Dieses Konzert bietet eine einzigartige Gelegenheit, eines der bedeutendsten Passionswerke des Barock zu erleben – interpretiert von einem Ensemble, das sich auf historische Aufführungspraxis spezialisiert hat. Zelenkas Musik, einst als „süße Früchte des Mandelbaums“ bezeichnet, berührt noch heute durch Ausdrucksstärke und spirituelle Tiefe.
Wir laden Sie ein, diesen außergewöhnlichen musikalischen Weg durch die Karwoche gemeinsam zu erleben – von der Gebetsstunde am Ölberg bis zur Stille des Grabes Christi.