Kein Pfarrer für Zutrittskontrollen

Am 29. Juni hat unser langjähriger Pfarrer Hannes Kappeler seinen letzten Gottesdienst in unserer Pfarrei zelebriert. Wir danken ihm von Herzen für seine jahrelange Hingabe, Inspiration, Wärme und spirituelle Führung. Er hat seinen Dienst am 1. Januar 2008 als Pfarradministrator begonnen und wurde am 22. März 2009 von Bischof Vitus Huonder als Pfarrer von St. Josef eingesetzt. Für die Zukunft wünschen wir ihm alles Gute und Gottes Segen.

«Es gibt keine Menschen, die hier nicht empfangen werden, die von meiner Kirche ausgeschlossen würden», sagt Pfarrer Hannes Kappeler und lacht sein typisches, offenes und breites Lachen.

Kappeler begann seinen Dienst in Zürich 2008 als Pfarradministrator, wurde 2009 als Pfarrer der Kirche St. Josef im umtriebigen und diversen Kreis 5 eingesetzt. Seitdem dient er im «Föifi» allen – den Gläubigen wie Ungläubigen, Legalen und Illegalen, den Geschiedenen und Verheirateten, den Hetero- und Homosexuellen und vielen, vielen mehr … Ende Juni 2024 wird er, nach einer Verlängerung von fünf Jahren über das Rentenalter hinaus, pensioniert.

Wer aber ist dieser Pfarrer, geboren 1953, ursprünglich aus dem Kanton Basel-Stadt, der 16 Jahre seines Lebens im Zürcher Kreis 5 verbrachte? Wir haben ihm zehn Fragen gestellt. Er hat kurz und bündig geantwortet:

1. Wie würden Sie sich beschreiben?
Naturliebend – in der Natur entdecke ich die Liebe und Schönheit Gottes, in der Vergänglichkeit die Ewigkeit Gottes.

2. Wofür im Leben sind Sie wirklich dankbar?
Für meine Familie im Kanton Basel-Stadt. Da war eine kämpferische Mutter, die ein Altersheim gegründet hatte und ein frommer Vater – aber nicht etwa institutionell fromm!

3. Wer hat Sie wirklich beeindruckt im Leben?
Diese Gemeinde, die Pfarrei St. Josef hier im Kreis 5.

4. Wenn Sie ein Tier wären, welches?
Ein Basstölpel. Das ist ein Vogel, der fliegend jedem Wind trotzen kann, der sich mit bis zu 100km/h ins Wasser stürzt und bis 150m tief tauchen kann. Welch wundersame Wesen gibt es!

5. Wo sind Sie am liebsten in der Stadt Zürich?
In der Kirche St. Josef – da gibt es schönste Begegnungen mit allen möglichen Leuten. Aber nicht nur während der Messe, sondern oft, wenn ich sonst in der Kirche war, z. B., um Kerzen zu wechseln. Auch Hindus kommen in die Kirche und viele andere religiös Sozialisierte und Interessierte, die eine offene Kirche unbedingt brauchen.

6. Würden Sie heute etwas anders machen in Ihrem Leben? Was?
Ich glaube, ich würde noch intensiver nach dem Verbindenden der verschiedenen Kulturen suchen (der Schintoismus interessiert mich z. B. sehr). Das Trennende trennt, wir brauchen aber Verbindung.

7. Ist Glaube in?
Ich glaube schon! Es ist allerdings kein dogmatischer Glaube, sondern die Suche nach dem Lebenskern. Auch nicht mehr ausschliesslich kirchlich, sondern in vielen Formen. Die Menschen sind durch Not zwar oft verschlossen. Für mich sind sie jedoch offen, weil sie suchend, eben nicht fixiert sind.

8. Gab es etwas, das Sie nicht verwirklichen konnten während der Zeit in Zürich?
Ja, es ist uns nicht gelungen, hier ein Sterbehospiz zu gründen. Ein Sterbehospiz, die richtige Begleitung von Sterbenden, wäre DIE Möglichkeit gewesen, als Kirche der Gesellschaft wirklich zu dienen, zu nützen.

9. Was wünschen Sie der Kirche in Zukunft?
Dass es in den Kirchen keine Eintrittskontrollen mit verletzenden Fragen gibt! Sind Sie geschieden? Sind sie vielleicht illegal kirchlich wieder verheiratet? Haben Sie bei Ihrer Heirat das Formular auch richtig ausgefüllt? Wann haben Sie das letzte Mal gebeichtet? Sind Sie eventuell Buddhist oder Schintoist? Glauben Sie an die Wirkung von Steinen und könnten eventuell Esoteriker sein? Wie leben Sie ihre Sexualität? Sind Sie schwul? Das erscheint mir unwürdig, worum geht es eigentlich? Die offene Kirche ist wichtig – mit Freude an wirklichen Begegnungen!

10. Gibt es noch etwas, das Sie sagen wollen?
Ich bin geformt worden in St. Josef. DANKE!


Geboren 1953 in St. Gallen, aufgewachsen in Basel. Verbringt als Schüler sämtliche Sommerferien im Landdienst. Erste Laufbahn in der Chemischen Industrie, in der Entwicklung von Produkten für Tier- und Pflanzengesundheit. Durch intensiver werdende Begegnungen in der Natur der Entschluss 1979/80 eine Auszeit zu nehmen – ein Jahr an der theologischen Fakultät, um dort vom Leben hinter dem Leben zu erfahren. Aus diesem einen Jahr werden sechs Jahre. Priesterweihe 1985. Pfarrer in St. Josef, Zürich von 2009 bis 2024.

«Das Aussergewöhnliche fand ich immer in der Natur und nicht auf den bequemen Sitzen der Universitäten!»