Bericht: Vortrag Nutztierhaltung

Nutztierhaltung: Heiligt der Zweck alle Mittel?
Vortrag und Diskussion am 11. März 2014

Mit Nadja Brodmann, Geschäftsleitung Zürcher Tierschutz

Frau Brodmann

Die Kirche st. Josef stellt sich gesellschaftskritischen Fragen. Der zweite Anlass zum 100-Jahre-Jubiläum war der Nutztierhaltung gewidmet. Im Pfarreisaal verfolgten die Zuhörerinnen und Zuhörer Nadja Brodmanns Ausführungen interessiert. Fragen nach Sinn und Unsinn unseres Konsumverhaltens wurden in der Diskussion und beim anschliessenden Apéro erörtert.

Nadja Bormann (Geschäftsleitung des Zürcher Tierschutz, im Bild) zeigte in ihrem Vortrag auf, welche Zusammenhänge beim Fleischkonsum wirken. Mancher Teilnehmende reflektierte sein Verhalten und wird in Zukunft beim Fleischkauf wohl etwas genauer hinschauen. Warum soll man das tun?

Eine Frage – drei Antworten
Tierische Nahrungsmittel sind bei uns überall verfügbar und billig. Dies geht auf Kosten der Nutztiere. Seit der Industrialisierung in den 1960-er Jahren werden Nutztiere weltweit ausgebeutet, auf engstem Raum und unter trostlosen Bedingungen zusammengepfercht. Lässt sich dies rechtfertigen, nur damit wir Fleisch, Eier und Milch sowie die unzähligen Verarbeitungsprodukte zu Spottpreisen kaufen können?

1) Aus zoologischer Sicht: Nutztiere haben angeborene körperliche und verhaltensmässige Bedürfnisse, das heisst gewisse genetisch verankerte «Erwartungen an ihre Umwelt». Können sie diese nicht befriedigen, sind sie frustriert, werden aggressiv oder entwickeln schwere Verhaltensstörungen. Daraus folgt, dass das Haltungssystem an die Tiere angepasst werden muss, nicht umgekehrt, weil die Tiere sonst in ihrer Anpassungsfähigkeit überfordert sind.

2) Aus gesetzlicher Sicht: Gemäss Schweizer Tierschutzgesetz müssen Tierhaltende die Bedürfnisse der Tiere berücksichtigen und für ihr Wohlergehen sorgen. Tiere gelten rechtlich nicht mehr als «Sache», sondern besitzen einen Eigenwert. Seit 2008 ist die «Würde der Tiere» explizit im Tierschutzgesetz verankert, ihre Missachtung ist verboten.

3) Aus ethischer Sicht kommen diverse Philosophen in der Moderne zum Schluss, dass Tiere empfindungsfähige Wesen sind, die es zu achten gilt. Bekannt ist Albert Schweizers «Ehrfurcht vor dem Leben».

Weniger, dafür Freiland-bio-regio
Aufgrund dieser Tatsachen lässt sich definieren, was ethisch vertretbarer Konsum bedeutet: Weniger tierische Produkte essen. Wenn doch, dann aus bestmöglicher Tierhaltung – idealerweise aus Freilandhaltung, regional und biologisch produziert. Dann profitiert auch die Umwelt. Und zugleich konsequent auf tierquälerisch erzeugte Importprodukte aus Intensivmast und Käfighaltung verzichten.

Freiwillig, aber effizient:
– Der höhere Preis lässt sich durch den Minder-Konsum mehr als kompensieren.
– Das strengste Tierhaltungs- und Bio-Label der Schweiz: www.KAGfreiland.ch

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